Slogan: Einfach, flexibel, sinnvoll

Im Januar 2015 wurde im schweizerischen Brienz ein Weltverband für Kampfsportarten mit dem Namen „world-fightsport-union" (WFSU) gegründet.
Der Mitbegründer und erste Präsident, der Rechtsanwalt JUDr. Thomas Lamadé aus Neckargemünd bei Heidelberg war Rechtswart beim baden-württembergischen Boxverband und Vizepräsident des Deutschen Boxverbandes. Er hat jahrelang versucht, die Kampfsportszene zu modernisieren und sich 2014 entschlossen, einen radikalen Neuan-fang zu wagen. Dies hat nach langer Vorbereitung dazu geführt, dass der Weltverband gegründet wurde. Dieser Verband soll allen Vereinen die Möglichkeit bieten, den Sport in einer zeitgemäßen Form ausüben zu können.

Anbei das Interview mit dem Präsidenten

Redaktion: Was ist bei den etablierten Verbänden nicht mehr zeitgemäß?

Thomas Lamadé: Das Klientel, die Ausführung der Sportarten, die Organisation – einfach alles. Kampfsportarten werden größtenteils von einer Gruppe von männlichen Personen zwischen 14 und 24 Jahren ausgeübt. Es fehlt die Gruppe von Kindern, insbesondere Schulkinder, es fehlt die Gruppe der über 30-Jährigen, insbesondere die der über 60-Jährigen und es fehlen speziell die Frauen. Kampfsportarten werden daher nur von einer kleinen Bevölkerungsgruppe ausgeübt, obwohl Kampfsport die ideale Sportart ist, um Menschen in jedem Alter fit zu halten.

Dazu ist allerdings eine jeweilige Anpassung der Ausübung erforderlich. Kampfsport wird momentan so betrieben, wie wenn alle Sportler zu Olympiareife gebracht werden sollen. Kinder brauchen aber ein ganz anderes Training und andere Wettkämpfe. Wieder andere Trainings- und Ausführungsformen brauchen berufstätige 50-Jährige und wieder andere Formen sind für über 60-jährige Sportler und auch für Frauen erforderlich. Wenn solche spezielle Anpassungen nicht geboten werden, bleiben diese Gruppen weg – und das ist momentan die traurige Realität.

Thomas Lamadé: Und genauso veraltet ist die Organisation des Sports. Das beginnt schon mit der Einteilung und dem Namen. Beim Boxen beispielsweise besteht die Einteilung in Profiboxen und Amateurboxen, jetzt olympisches Boxen und ein Verbot, dass beide Sportler etwas miteinander zu tun haben. So ein unfassbarer Unsinn. Hier geht es um alte Zöpfe, Einfluss und Geld. Der Begriff Profiboxen hat nichts mehr damit zu tun, dass diese Boxer den Sport als Beruf ausüben und davon leben. Die guten Amateurboxer sind alle quasi Profis, trainieren 2 Mal pro Tag und üben keinen anderen Beruf aus. Zwischenzeitlich gibt es von der AIBA die leichte Vermengung beider Bereich, die aber allein aus egoistischen und insbesondere kommerziellen Gesichtspunkten vorgenommen wurde. Nicht existent war bisher der Bereich Breitensport. Für diesen Bereich gab es keine Trainingsformen, kein Wettkampf, kein Interesse. Obwohl dieser Bereich ca. 90 % aller Boxer ausmachen müsste, hatten die Verbände kein Interesse an ihm. Auch ist die absurd komplizierte Benennung der 18 Gewichtsklassen beim Boxen, die zudem noch in Männer, Frauen und Kinder unterteilt wird, nicht sinnvoll,. Wer kennt das Super-Bantamgewicht? Welcher Mann möchte schon mit Fliegengewicht bezeichnet werden? Viel sinnvoller wäre die Bezeichnung: Gewichtsklasse 52 kg (umfasst 51-53 kg) - kein unschöner Ausdruck und leicht zu merken.

Daher werden diese alten Zöpfe in der WFSU völlig umgekrempelt. Es gibt in der WFSU zum Beispiel das Masterboxen mit Regeln, die dem Berufsboxen ähneln, das olympische Boxen, das sich an den olympischen Regeln orientiert, das Kinder- und Jugendboxen und das Breitensportboxen, das für jede Altersklasse und beide Geschlechter angepasste Formen bietet. Die Gewichtsklassen werden vereinfacht und mit Kilogramm bezeichnet - ohne Benennung nach Atomen, Fliegen oder Federn. Das sind natürlich nicht die wichtigsten Änderungen, aber Änderungen, die zeigen, wie altbacken, verstaubt und verkrustet die Strukturen sind.

Thomas Lamadé

 

Redaktion: Gibt es bei den etablierten Verbänden keine Änderungen in eine modernere Richtung?

Thomas Lamadé: Doch, aber viel zu langsam und völlig unsystematisch. Die Verbände und deren Satzungen und Ordnungen sind ein Flickenteppich partikularer, persönlicher und finanzieller Interessen. Die Vereinigung der Boxverbände von Baden und Württemberg war beispielsweise ein jahrelang dauernder klein-klein-Kampf und die Änderung der Wettkampfordnung wird sich über Jahrzehnte hinziehen. Eine Koordination der Interessen der einzelnen Landesverbände wird nie möglich sein und was dann noch übrig bleibt, wird vom Weltverband unterdrückt, der völlig eigene Interessen verfolgt. Teilweise besteht die völlig untragbare Situation, dass der Weltverband Regeln aufstellt, die mit nationalem Recht in Widerspruch stehen und dennoch aus Angst vor Sanktionen vor dem nationalen Spitzenverband seinen Mitgliedern aufgezwängt wird. Wenn es dann zumindest sinnvolle Regeln wären, könnte man ja ein Auge zudrücken. Aber dem ist nicht so.

Redaktion: Worin unterscheidet sich die WFSU?

Thomas Lamadé: Der große Unterschied zu allen vorhandenen Formen besteht darin, dass keine Zusammenführung von vielen bestehenden Vereinen und Verbänden erforderlich ist, bei denen tausend Interessen zu koordinieren sind. Dies führt in der Regel dazu, dass nur noch Kompromisse übrig bleiben. Wir zäumen das Pferd anders auf. An erster Stelle steht die Idee und die Struktur. Diese wird ohne Kompromiss umgesetzt. Wir sind keinen anderen Personen verpflichtet und keinen anderen Vereinen und Verbänden, wir sind keiner politischen Richtung und keinen finanziellen Zwängen ausgesetzt -  wir sind nur den Sportlern und der Sache verpflichtet. Eine gute und richtige Idee kann unbeeinflusst umgesetzt werden.
Das schlägt sich natürlich auch in der Satzung nieder. Es wird keine ewige Entscheidungsfindung geben und keine unendliche Streiterei über Kleinigkeiten. Es gibt flache Hierarchien, viel Eigenverantwortung, schnelle Entscheidungsfindungen und daher insbesondere auch eine kostengünstige Organisation. Alle Organisationsstufen, die nicht erforderlich sind, wurden konsequent weggelassen. Somit halten sie nicht auf und müssen nicht bezahlt werden.

Redaktion: Können Sie ein Beispiel machen?

Thomas Lamadé: Jeder Boxverein in Baden-Württemberg bezahlt einen Mitgliedsbeitrag zum Boxsportverband (Baden-Württemberg BWBV). Dieser finanziert sich davon zuerst selbst und führt einen Teil an den Deutschen Boxsport-Verband (DBV) ab. Dieser finanziert sich wiederum davon auch zuerst selbst und führt einen Teil an den Weltverband ab. Der DBV muss sich an die Regeln des Weltverbandes halten, der BWBV an die Regeln des DBV und daher des Weltverbandes. Jeder Verein in Baden-Württemberg muss sich an die Regeln des BWBV und daher des DBV und daher des Weltverbandes halten. Ohne dieses System jetzt zu kommentieren, lassen wir einfach zwei Ebenen komplett weg und geben den Vereinen als Weltverband direkt die Regeln vor. Das spart Geld, Zeit, Personal, Energie und Streit. Und wer als Verein eine gute Idee hat, muss sich nicht durch viele Instanzen kämpfen, sondern kann beim Verband direkt anrufen.

Redaktion: Werden Sie nun in Konkurrenz zu den etablierten Verbänden treten?

Thomas Lamadé: Grundsätzlich haben wir das nicht vor, denn unser Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau des Breitensports, ein Bereich, auf den die etablierten Verbände keinen Wert gelegt haben. Wer zur Olympiade will, ist bei den etablierten Verbänden gut bedient. Wer etwas für seine Fitness, somit seinen Körper und sein Wohlbefinden tun will, wird bei uns ein größeres Angebot vorfinden. Wir wenden uns somit vor allem an ein neues Klientel und wollen den etablierten Verbänden nichts streitig machen. Ich gehe sogar davon aus, dass sich viele Sportler, angeregt durch unsere Ideen und Aktionen, auch an die anderen etablierten Vereine und Verbände wenden werden, diese somit einen erheblichen Zulauf erleben werden.

Thomas Lamadé: Ich vermute allerdings, dass wir trotzdem als Stachel im Fleisch empfunden werden, denn nun müssen auch die anderen Verbände sich mit unseren Ideen beschäftigen. Und wie es nun mal in der menschlichen Psyche verankert ist, wird dies nicht als Chance empfunden werden, sondern als Bedrohung, mindestens als Störung. Und daran wird auch nichts ändern, dass meine persönliche Zusammenarbeit mit den Verbänden sehr angenehm war und ich mich mit den dortigen Funktionären gut verstanden habe. Das sind alles sehr nette und engagierte Menschen, denen ich hiermit ausdrücklich eine gedeihliche Zusammenarbeit anbiete.

Redaktion: Ein weiteres Problem dürfte das Ein-Platz-Prinzip sein, das vorschreibt, dass für jedes Bundesland nur ein Landessportbund und für jede Sportart nur ein Spitzenverband in den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aufgenommen wird. Insbesondere im Boxen gibt es den DBV, der bisher eine Alleinstellung innehatte. Kann ein Verband ohne Aufnahme in den DOSB existieren?

Thomas Lamadé: Die Aufnahme in den DOSB sichert erst einmal nur die theoretische Möglichkeit, zu den Olympischen Spielen zugelassen zu werden. Für die allermeisten Kampfsportler hat dies keine Bedeutung. Insbesondere nicht für den Breitensport. Diese Sportler möchten lieber eine Organisation, die ihnen eine kostengünstige, unbürokratische und wenig bevormundete Bürokratie bietet.

Diese Breitensportler werden zahlenmäßig die Wettkampfsportler, die auf Olympia trainieren, um ein Vielfaches übertreffen. Und wenn tatsächlich Spitzenleistungen erzielt werden, wird die WFSU auch im DOSB aufgenommen werden. In Deutschland gibt es den kartellrechtlichen Aufnahmeanspruch, sowie den Aufnahmeanspruch wegen monopolgleicher Stellung oder direkt aus Art. 9 des Grundgesetzes. Da mache ich mir keine Sorgen.

Redaktion: Warum legen Sie so viel Wert auf Breitensport?

Thomas Lamadé: Viele Kampfsportarten haben den Begriff „Do“ in ihrer Bezeichnung, wie Judo. "Do" ist japanisch und heißt wörtlich übersetzt "der Weg". Damit ist gemeint, dass der Mensch sich auf einem Weg befinden sollte, der ihn immer weiter bringt – körperlich, geistig, emotional und moralisch. Die Kampfsportarten sind ein Mittel, diesen Prozess des ständigen Bemühens, des ständigen Weiterentwickelns zu erlernen. Leider ist dieser Aspekt heutzutage in den Hintergrund getreten und die Kampfsportarten werden oft nur noch leistungssportlich ausgeübt. Wir wollen den Weg wieder in den Vordergrund stellen: Kinder und Jugendliche sollen durch kontinuierliches Training erfahren, dass sie alles schaffen können, wenn sie einfach nur jeden Tag einen kleinen Schritt unternehmen. Sie sollen merken, dass durch ständiges Bemühen nicht nur die körperlichen Fähigkeiten wachsen, sondern dass dieses Prinzip auch für alle anderen Fähigkeiten gilt. Dann werden sie auch im hohem Alter nicht in diesem Bemühen nachlassen und mit einem trainierten Körper und einem trainierten Geist leben dürfen.

Thomas Lamadé: Zudem werden diese Kinder und Jugendlichen Respekt vor der eigenen Leistung und damit auch vor der Leistung des anderen erlernen. Sie werden erlernen, dass andere Menschen mit anderer Hautfarbe, Sprache, Religion und Herkunft die gleichen Wünsche, Ängste, Gefühle, Bedürfnisse, Schwächen und Stärken haben. Wer einmal im Ring gegen einen „gefährlich aussehenden Fremden“ gekämpft hat, alles gegeben hat und dann von diesem Fremden nach dem Kampf in den Arm genommen wird und die Anerkennung spürt, für den wird er kein Fremder mehr sein. Er wird ein Sportskamerad sein, ein Stellvertreter einer Gruppe, die jetzt auch keine Fremden mehr sind. Menschen, die Kampfsport im Sinne des Do betreiben, werden eine Einstellung zu ihren Mitmenschen bekommen, wie wir sie uns alle wünschen.

Redaktion: Sie stellen sich somit vor, dass 70-Jährige, Frauen, Kinder und Personen mit einem Handicap Kampfsport betreiben sollen?

Thomas Lamadé: Menschen sollen in jedem Alter und in jeder Lebenslage Sport betreiben. In dem aktuellen Bestseller „Die Gesundheitsformel“ wird der Gesundheitsfaktor Bewegung ausführlich beschrieben: Vom bekannten Fettabbau bis zur Senkung des Krebsrisikos. Der menschliche Körper wird durch das richtige Benutzen nicht abgenutzt, sondern besser. Ältere Menschen, die Sport treiben, haben kräftigere Knochen, leistungsfähigere Muskeln, stabile Gelenke, ernähren sich in der Regel besser, haben eine bessere Verdauung und ein stabiles Herz-Kreislauf-System. Sie haben nicht nur eine höhere Lebenserwartung, sondern verbringen ihr Alter in Wanderschuhen, statt mit einem Rollator.

Und welche Sportart ist geeigneter, als eine, die für jede Altersgruppe angepasst ausgeübt werden kann und die alles trainiert: Kondition, Kraft, Dehnbarkeit, Reaktionsvermögen, Koordinationsvermögen, Gleichgewichtsvermögen usw. Kampfsport ist nicht nur der Kampf im Ring, sondern kontinuierliches Training seines Körpers und seines Geistes, auch wenn man noch nicht im Ring steht oder nicht mehr.

Redaktion: Wie lange werden Sie brauchen, um dieses ambitionierte Ziel umzusetzen?

Thomas Lamadé: Auch für uns gilt das Prinzip des „Do“- der Weg: Wenn wir jeden Tag einen kleinen Schritt in die richtige Richtung unternehmen, werden wir irgendwann das Ziel erreichen. Dabei spielt es grundsätzlich keine Rolle, wie lange dies dauert.

Oder wie der chinesischer Philosoph und Dichter Zhuangzi sagte: „Der Mann der den Berg abtrug, war derselbe, der ursprünglich anfing, kleine Steine wegzutragen."


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